Hannah (AT)

Samuels Mutter

Wer kennt sie nicht – die Kränkungen von anderen Frauen? „Wann plant ihr denn ein Kind?“ - „Wenn ihr mal Kinder habt, dann...“ - „Ihr habt ja keine Kinder.“ (d. h. Du kannst da gar nicht mitreden!) – „Bei euch ist es ja auch bald soweit!“ (wenn jemand ein Gerücht gehört hat) usw. Das ist für mich so etwas wie Peninna damals für Hannah. Zugegeben, die Mehrehe gibt es bei uns nicht. Aber die Kränkungen sind schon da. Bewußt oder unbewußt, meist sicher gar nicht so gewollt wie damals bei Peninna. Aber sie sind da. Es bohrt im Herzen und tut weh.

Was tun? Ausrasten? Manchmal hätte ich schon Lust dazu. Aber ich schlucke meinen Ärger eigentlich doch immer wieder runter. Vielleicht ist es auch besser. Die andere meint es ja nicht böse. Hannah weinte und aß nichts. Ihr tat es also auch weh, es ging ihr nah – nicht nur nah, sondern bis ins Herz. Sie hatte zwar einen liebevollen Mann, aber auch das konnte sie nicht mehr über diesen großen Schmerz hinwegtrösten.

Als alles nichts mehr half und sie mit ihrem Schmerz nicht mehr wußte wohin, stand Hannah auf, ging in die Stiftshütte und betete. Das sieht aus wie eine billige Lösung, aber es ist die beste, die es gibt: Demjenigen das Herz auszuschütten, der mich gemacht hat. Dem, der mein Leben so gewollt hat und der einen guten Plan für mein Leben hat. Und dem, der Wunder tun kann – aller Medizin und all der langen Zeit zum Trotz! Gott versteht alles, er kränkt mich nicht und - er kann alles. Ihm darf ich mich getrost anvertrauen.

A.